Aussortieren – die Grundlage für gute Wolle
Nach der Schur kommt einer der wichtigsten Schritte der gesamten Herstellung: das Aussortieren der Wolle.
Bei der Schur kommt zunächst alles mit, was sich am Schaf befindet – neben der Wolle auch Kot, Stroh, Saatgut, kleine Äste oder andere Fremdstoffe. Diese Fremdstoffe erschweren die weitere Verarbeitung und machen sie aufwendiger und teurer. Besonders störend sind Kunststoffreste. Selbst in meinen fertigen Stoffen finde ich manchmal noch kleine Plastikstücke oder feine Plastikfäden, beispielsweise von Säcken.
Bei der Wolle im Video sortiere ich zunächst nach zwei Farben. Gleichzeitig entferne ich bereits stark verfilzte Wollpartien, da sie sich schlechter verarbeiten lassen und später die Weichheit und Glätte des Stoffes beeinträchtigen können.
Ich arbeite dabei bewusst mit den bloßen Händen. So kann ich die Unterschiede der Wolle unmittelbar mit der Haut spüren. Das Wollfett fühlt sich angenehm auf der Haut an und ermöglicht mir gleichzeitig, schon früh ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich der spätere Stoff entwickeln wird. Ich kann Unterschiede zwischen Züchtern, Herden und Jahrgängen wahrnehmen. Wie bei allen landwirtschaftlichen Produkten gibt es auch bei Wolle natürliche Qualitätsunterschiede – abhängig von Jahr, Wetter, Lage, Haltung und landwirtschaftlichem System.
Je sorgfältiger die Wolle am Anfang aussortiert wird, desto besser sind die Voraussetzungen für die nächsten Verarbeitungsschritte – und desto mehr lohnt sich eine hochwertige regionale Verarbeitung.
Ich bekomme die Rohwolle direkt von den Züchtern. Erst nachdem ich sie selbst kontrolliert und sortiert habe, schicke ich sie zur weiteren Verarbeitung in die Wäscherei.
So beginnt die Qualität des späteren Stoffes bereits unmittelbar nach der Schur.
Waschen - fettfrei und Umweltschonend
Die Wolle transportiere ich selbst nach Belgien, zu einer der wenigen verbliebenen Wollwäschereien Europas. Sie ist für mich die nächstgelegene, kennt sich mit regionaler Wolle aus und arbeitet unter strengen Umweltauflagen. Das gewonnene Wollfett wird für die Kosmetikindustrie weiterverwendet.
Aus etwa zehn Säcken Rohwolle werden ein bis zwei kompakte Säcke gewaschene Wolle. Bei gut sortierter Wolle liegt der Ertrag bei etwa 60 Prozent. Bei sehr feiner Wolle ist er niedriger, bei grober Wolle höher.
Nach einer Waschprobe wird die Wolle direkt zur Spinnerei transportiert. Dort muss sie sehr gut entfettet sein, damit sie auf den Spinnmaschinen verarbeitet werden kann.
Spinnen - aus der Wolle wird Garn
Die Pommernwolle wird im Wendland halb gekämmt und anschließend gesponnen. Dabei werden nicht nur die Fasern kardiert, sondern auch die kurzen, abstehenden Fasern herausgekämmt. Das ist bei dieser regionalen Wolle besonders wichtig, weil sie sowohl sehr feine Fasern als auch längere, gröbere Haare enthält. So wird das Garn glatter und verhindert, dass später störende Fasern auf der Haut stechen.
Bei der süddeutschen Merinowolle lasse ich dagegen nur kardieren. Dadurch bleibt die Ursprünglichkeit der Wolle erhalten und das Garn bekommt seine typische Bauchigkeit und Flauschigkeit. Durch Kämmen würde der Stoff eher wie ein gewöhnlicher Merinostoff wirken – genau das möchte ich vermeiden.
Obwohl die Pommernwolle ursprünglich gröber ist als die Merinowolle, kann der fertige Pommernstoff durch diese Verarbeitung weicher und glatter werden. Das zeigt, wie entscheidend die Verarbeitung für die optische und haptische Qualität eines Stoffes ist.